Offshoring, Nearshoring, Onshoring und Outsourcing – Merkmale und Unterschiede

Posted by InterVenture on August 20, 2019

Definitionen, Unterschiede und Modelle von Outsourcing

Formen von Outsourcing

Near – Off – Out – On, hier gilt es zunächst einmal, den Überblick zu behalten. Vier Begriffe, deren Bedeutungen ähnlich sind, die aber verschiedene Sachverhalte erklären. Offshoring, Nearshoring, Onshoring und Outsourcing weisen darauf hin, wo Teile der betrieblichen Aktivitäten eines Unternehmens durchgeführt und ob sie dabei vom Unternehmen selbst übernommen werden.

Outsourcing

Outsourcing bezeichnet die Übertragung von betrieblichen Aktivitäten der Wertschöpfung auf Zulieferer. Damit soll eine Verkürzung der Wertschöpfungskette sowie eine Reduzierung der intern erbrachten Leistungen innerhalb des Unternehmens erzielt werden.

Outsourcing wird in der Regel mit dem Ziel der Kosteneinsparung betrieben. So lassen sich dadurch vor allem Entwicklungs-, Produktions- und Gemeinkosten deutlich reduzieren. Das Unternehmen selbst konzentriert sich dadurch verstärkt auf seine Kernaktivitäten und wird dadurch oftmals in die Lage versetzt, zusätzliche Kostenvorteile realisieren zu können. Darüber hinaus lässt sich infolgedessen auch die eigene Marktposition verbessern, sowohl auf strategischer wie auch auf operativer Ebene.

Im Zuge der Auslagerung können beispielsweise Teilefertigungen an andere Unternehmen übertragen werden. Aber auch im Bereich der Dienstleistungen wird dieses Verfahren sehr häufig eingesetzt.

Offshoring

Mit Offshoring wird die Verlagerung von betrieblichen Aktivitäten ins Ausland bezeichnet, wobei die geografische Distanz hier keine Rolle spielt. Offshoring lässt sich deswegen weiter in Nearshoring (nahes Ausland wie z. B. osteuropäische Länder) und Farshoring (fernes Ausland wie z. B. Länder in Ostasien) unterteilen.

Offshoring wird betrieben, um die Personalkosten des Unternehmens nachhaltig zu senken. Es bedarf jedoch einiger Voraussetzungen im Hinblick auf die Kommunikation, damit das Konzept funktionieren kann. Wichtig sind vor allem die Anbindung an das Internet sowie die nötige Peripherie zu dessen Nutzung. Sind Unternehmen auf sprachlich und fachlich möglichst hoch qualifizierte Mitarbeiter im Ausland aus, wird meist auf die Variante des Nearshorings zurückgegriffen.

Nearshoring

Unter Nearshoring wird die Verlagerung des Betriebes oder Teilen davon in das nahe gelegene Ausland verstanden. Damit ist es das Gegenteil von Farshoring und kann als Sonderform des Offshorings gesehen werden. Für ein in Deutschland beheimatetes Unternehmen wären beispielsweise folgende Länder eine typische Nearshoring-Destination:

Durch Nearshoring lassen sich Probleme vermeiden, die bei größeren geografischen Distanzen mit Offshoring typischerweise auftreten. Dies betrifft z. B. die Zeitverschiebung, kulturelle Unterschiede und die Erreichbarkeit. Durch die Reduzierung der Limitierungen des traditionellen Offshoring wird mit Nearshoring eine Maximierung der Unternehmenseffizienz erreicht. Ziel ist es in den meisten Fällen, die Personalkosten zu senken.

Onshoring

Beim Onshoring handelt es sich um das genaue Gegenteil des Offshorings, denn gemeint ist hier eine Inlandsverlagerung der betrieblichen Aktivitäten. Funktionen und Prozesse werden dabei meist in die Nähe des im Inland ansässigen Kunden verlagert. Dies ist insbesondere bei Großkunden besonders häufig der Fall, da diese eine räumliche Nähe zur Bedingung machen können. Ein typisches Beispiel hierfür liefern die Zulieferbetriebe in der Automobilindustrie. Durch ihre räumliche Nähe (oftmals direkt neben dem Werksgelände ihres Kunden) sind schnellstmögliche und bedarfsgerechte Lieferungen nach dem Just-in-time-Prinzip möglich.

Onshoring verbessert die Kostenstruktur erheblich und gestattet zudem flexiblere Betriebsstrukturen. Darüber hinaus werden Koordination und Kommunikation in Bezug auf die Produktion sowohl effektiver als auch effizienter.

Welches Outsourcing-Modell sollte also gewählt werden?

Selbstverständlich hat jede Form des Outsourcings seine Vor- und Nachteile. Deshalb ist es grundsätzlich schwierig, eine allgemeingültige Empfehlung auszusprechen. Welche Variante letztendlich gewählt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel den gesetzten Zielen, verfügbaren Ressourcen oder weiteren spezifischen Voraussetzungen.

Zwar könnte Farshoring die beste Lösung in Bezug auf die Senkung von Lohnkosten sein, jedoch bringt die Auslagerung in ein geografisch weit entferntes Land zusätzliche Faktoren mit, welche es zu berücksichtigen gilt. Faktoren wie etwa kulturelle Unterschiede oder die Zusammenarbeit in verschiedenen Zeitzonen führen häufig zu weiteren unvorhergesehenen Kosten.

Dementsprechend sprechen vor allem eine bessere Kommunikation sowie die geografische Nähe zum Outsourcing-Partner, die vor allem Geschäftsreisen deutlich einfacher und angenehmer macht, für eine Nearshore-Lösung.