Nearshoring

ICT Sektor Serbien

Veröffentlicht von InterVenture am März 31, 2016

Lange Hängebrücke in Serbien

Ist Nearshoring in Serbien eine probate Antwort auf den IT-Fachkräftemangel Deutschlands?

Deutschland sucht verzweifelt nach Personal und das nicht seit „gestern“ (oder) „heute“. Die durchgeführten Studien sagen deutlich aus, dass der Bedarf an Fachkräften im IT Bereich ständig zunehmen wird und sich die Decke an qualifiziertem Personal massiv ausdünnt. Rund 40 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sehen die Suche nach geeignetem IT-Fachpersonal als besondere Herausforderung an.

Die Fachkräfte des Sektors IT nehmen diese Tatsache gelassen hin, da sie händeringend gesucht werden, geben sie die Preise vor, für die sie sich rekrutieren lassen. Sie wissen, dass die Nachfrage nach Personen mit ihrem Ausbildungsprofil im Jahr rund 13 bis 20 Prozent zunimmt – und es ist kein Ende in Sicht. Wie herausragend die Verhandlungsposition der qualifizierten IT’ler ist, zeigt sich überdeutlich am Gehaltsgefüge: Der Projektleiter im Bereich IT darf mit einem Jahressalär von rund 76.000 Euro rechnen. Und das ohne jede Führungsverantwortung. Was sind die Alternativen zur Zahlung exorbitant hoher Gehälter auf der einen und dem enger werdenden Fachkraft-Angebot auf der anderen Seite? Nearshoring in Osteuropa.

Klassisches Outsourcing oder Nearshoring?

Bevor sich Outsourcing und Nearshoring vergleichen lassen, lohnt sich ein Blick auf die Frage, was unter Nearshoring verstanden wird. Für den europäischen Sektor bedeutet das, aus West- und Mitteleuropa werden in einer Art Outsourcing Unternehmensteile in den Bereich von Osteuropa verlagert. Sinn ist es, a) die Personalkosten zu senken und sich b) des Educated Talent Pools dieser Länder zu bedienen. Hier liegen die Vorteile des Nearshoring – verglichen mit dem Farshoring zum Beispiel nach Fernost – klar auf der Hand. Wegen der geringen Entfernung weisen die Länder eine räumliche wie auch kulturelle Nähe auf, es sind (wenn überhaupt) nur geringe Zeitunterschiede zu überbrücken und die bürokratischen Hürden sind ebenso überschaubar. Einige osteuropäische Länder sind oder werden in naher Zukunft in den Wirtschaftsbereich der EU integriert. Für Serbien ist ein EU-Beitritt im Jahr 2019 das sehr ambitionierte Ziel.

Was spricht für Nearshoring in Serbien?

Moderne Innenstadt von Belgrad

Serbien hat extrem ambitionierte Ziele, was das Erreichen der Beitrittsreife zur EU angeht. Die Strukturen im Land sind äußerst stimmig und geographisch ist Serbien lukrativ. Über diese Struktur- und Geographie-Vorteile lässt sich nicht nur zu schlanken Kosten operieren, sondern das Land steht für ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. Der Pool an Talents Serbiens, das intellektuelle Kapital, ist ausgezeichnet positioniert, die Lohnkosten bleiben trotzdem überschaubar und die potentiellen Mitarbeiter verfügen über hervorragende Expertisen sowie ein breit gefächertes Wissen. Das Netzwerk der Kommunikationsmöglichkeiten in Serbien ist dem von Mitteleuropa zumindest ebenbürtig und die Englischkenntnisse im Pool of Talents sind gut bis sehr gut zu bewerten. Hieraus ergeben sich die klar ersichtlichen Wettbewerbsvorteile, die namhafte IT-Unternehmen erkannt haben und für sich nutzen – doch dazu später mehr.

Nearshoring in Serbien – welche Standortvorteile bringt das Land mit?

Serbien verfügt über rund acht Millionen Einwohner und ist einer der größten Staaten dieser Region. Von den acht Millionen leben alleine in Belgrad, der Hauptstadt des Landes, die in circa zwei Stunden Flugzeit aus der Mehrheit der Städte Europas zu erreichen ist, rund drei Millionen. Das alleine reicht jedoch für einen Standortvorteil nicht aus! Daher verwundert es nicht, dass der große Pool an Talenten das Hauptargument für Serbien als Standort für Nearshoring ist. Die Technische Hochschule, die renommiert und anerkannt ist, schleust pro Jahr rund 5.000 Ingenieure durchs Studienprogramm, die auf einem Top-Level ausgebildet sind. Das findet darin seine Wurzeln, dass Serbien seit Jahrzehnten als Land Bekanntheit erlangt hat, welches eine hohe Affinität zu den Naturwissenschaft mitbringt. In der nahen und mittleren Zukunft wird dieser hohe Zustrom an IT-Fachkräften nicht versiegen, weil Investitionen und gezielte Förderprogramme des Staates kontinuierlichen „Nachschub“ an herausragenden Talenten sicherstellen.

Money, Money, Money – Serbien, das Land ohne „War for Talent“

5€-Schein in der Nahaufnahme

Foto: „Euro“ von Kārlis Dambrāns veröffentlicht unter der CC BY 2.0 Lizenz

Der Faktor, der zum Beispiel die Fachkräfte im Sektor IT stark umkämpft werden lässt, ist der finanzielle Faktor. Geringe Dichte an Fachpersonal steht für einen hohen Lohnfaktor. Serbien ist bis heute noch vom „War for Talent“ verschont geblieben – die Lohnkosten halten sich darum in überschaubaren Dimensionen. Fakultäten wie die „School of Electrical Engineering“ oder auch die „School of Mathematical Science“ in Belgrad haben sich einen international anerkannten Ruf sowie hohe Reputation erworben, was ihre Abgänger angeht. Darüber hinaus ist es den Mitarbeitern in Serbien erlaubt, problemlos in den Schengenraum zu reisen und die Einreise nach Serbien ist nicht mit lästigen Visa-Modalitäten verbunden. Wie nicht anders zu erwarten gestalten sich die Standortkosten in Serbien weitaus angenehmer als dies vergleichsweise in Westeuropa der Fall ist. Serbien entwickelt sich darüber in Gänze zu einen der attraktivsten Hot Spots, geht es um den IT Sector. Hierfür sind stehen die jungen Talente in der ersten Reihe der Verantwortlichkeiten, da im IT-Sektor 85 Prozent der Fachkräfte einen Universitätsabschluss mitbringen, der sie zu absolut qualifiziertem Fachpersonal macht. Und das mit hoher Kompetenz, einem breit gefächerten Erfahrungsschatz (teils früh als Freelancer bewiesen) und einem breit aufgestellten Wissen, welches sie in die Lage versetzt, hervorragende Software zu generieren.

Zweistellige Wachstumsraten in der IT-Branche Serbiens

IT Nearshoring Serbien

Von allen in Serbien ansässigen Märkten ist ICT der Bereich mit dem dynamischsten Wachstum. Zweistellige Zuwachsraten im Jahr machen den Sektor zum prosperierenden Element Serbiens. In der gesamten Region avanciert das Land zur Vormachtstellung auf dem Markt der IT-Dienstleistungen wie der Software-Entwicklungen. Gerade die Web- und Mobileapplikationen, die Embedded Software, das Software Engineering und das Testing sind Bereiche, die in Deutschland, den Niederlanden, in UK und in den USA wegen ihrer hohen Qualität stark nachgefragt werden. Davon konnten sich namhafte Global Player überzeugen, die Serbien als Standort für ihre Entwicklungszentren im Bereich Nearshoring eröffnet haben. Zu diesen Firmen gehören unter anderem: Microsoft, Intel, Motorola, IBM, Siemens, Redhat, Hewlett Packard, Cisco Systems, Ericsson, SAP, Telenor (oder) (auch) Oracle.

Das Unternehmen Microsoft, welches seit 2005 ein Entwicklungszentrum mit derzeit rund 130 Mitarbeitern in Serbien unterhält, hat früh den Wert des Talent Pools in Serbien erkannt. Das Zentrum konnte sich auf Software Engineering und die angewandte Mathematik spezialisieren, liefert in dem Bereich hervorragende Ergebnisse ab. „Serbien hat großes Potenzial im Bereich der IT-Fachkräfte und des ICT. Das ist der Grund, warum die weltweit größten Software-Unternehmen sich entschlossen haben, Entwicklungszentren in Belgrad zu eröffnen„, lautet der Ritterschlag des IT-Sektor des Landes durch Christopher Brennan, den Geschäftsführer der Region Zentral- und Osteuropa von Microsoft.

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