Gründe für ein Nearshoring in Osteuropa

Posted by InterVenture on December 11, 2015

Platz der Republik in Belgrad

Ob Serbien, Polen, Tschechien, Ukraine, Bulgarien oder Rumänien – Osteuropa gewinnt für hiesige Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Diverse Untersuchungen zeigen, dass sich deutsche Arbeitgeber beim Nearshoring zunehmend für die Länder Osteuropas entscheiden. Dies ist jedoch nicht weiter verwunderlich, zumal viele gute Gründe für eine Auslagerung von Geschäftsaktivitäten in diese Länder sprechen.

Auslagerung von Unternehmensteilen mangels Fachkräften erforderlich

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Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) stieg in Deutschland die Zahl unbesetzter Stellen für IT-Experten im in der Vergangenheit um 13 Prozent. Insbesondere dieser Fachkräftemangel zwingt immer mehr deutsche Unternehmen, die eigenen Entwicklungstätigkeiten auszulagern. In diesem Zusammenhang stellt sich im nächsten Schritt die Frage nach dem geeigneten Land. Stark auf dem Vormarsch ist hierbei das Nearshoring nach Osteuropa, da diese Regionen im Vergleich zu Entwicklungsländern wie Indien zahlreiche Vorteile bieten.

Hierzu gehören:

1. Niedrige Arbeitskosten

Zu den Hauptgründen, die deutsche Unternehmen für eine Auslagerung in den Osten Europas veranlassen, gehören selbstverständlich die vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten. Durch die Vergabe von Arbeiten in diese Nearshore-Regionen werden teilweise Kosteneinsparungen von 30 bis 50 Prozent in Aussicht gestellt. Die Ansicht mancher Personalleiter, dass es den Menschen in diesen Ländern an der notwendigen Ausbildung und den Skills fehle, wird zusehends widerlegt. Inzwischen konnten sich schon mehrere Osteuropäische Länder als herausragender IT-Standort etablieren.

2. Keine großen kulturellen Hürden

Seit der politischen Wende im Jahr 1989 haben sich Kulturen in Europa zusehends angenähert. Wert-Anschauungen, das Verhältnis zu Hierarchien, Verlässlichkeit und Umgangsformen unterscheiden sich heute nur sehr gering. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber einer Softwareentwicklung in Asien, wo die kulturellen Unterschiede zu komplikationen und höheren Projektkosten führen können.

3. Gute sprachliche Kompetenzen

Sprachliche Schwierigkeiten können eine Geschäftsbeziehung belasten und mit teuren Missverständnissen sowie längeren Projektlaufzeiten einhergehen. Unter diesem Gesichtspunkt kann Osteuropa weitere Vorteile ausspielen, zumal nachweislich knapp 40 Prozent aller Schüler in den neuen EU-Mitgliedsstaaten die deutsche Sprache lernen. Mehr als 70 Prozent lernen ferner Englisch auf international wettbewerbsfähigem Niveau. Gerade die Sprache der Mitarbeiter ist eine wichtige Grundlage für eine effiziente Kommunikation.

Tastatur Mac Book

4. Verfügbarkeit und Qualifikation von Personal

Jedes Jahr graduieren in Osteuropa eine große Anzahl an IT-Studenten. Demzufolge ist das Angebot an qualifizierten Fachkräften sehr groß. Weil das Anforderungsprofil in Bezug auf die Qualität der Ausbildung merklich gestiegen ist, verfügen die Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger über ein fundiertes Knowhow. Als Folge hieraus investieren immer mehr internationale Unternehmen hier in Zentren für Forschung und Entwicklung wie auch in den Bau von Wissenschafts- und Kommunikationstechnologien.

5. Reisen und Zeitzone

Ein positiver Aspekt des Nearshoring sind zudem die geringen bis leichten Visa- und Einreisebestimmungen für Bürger osteuropäischer Staaten. Hinzu kommt die leichtere Vermeidung von Risiken in Bezug auf die Datenschutzrichtlinien. Wer nämlich personenbezogene Daten außerhalb Europas verarbeiten lässt, geht das Risiko ein, dass der Dienstleister trotz Zertifizierung nicht die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) erfüllt. Für Verstöße haftet dann der Auftraggeber, nicht der Nearshore-Partner. Nicht zuletzt sind etwa Ingenieure aus Osteuropa besser mit EU-Gesetzen (z.B. hinsichtlich des geistigen Eigentums) vertraut, als eine Fachkraft aus Asien. Für Osteuropa sprechen aber auch der kurze Anfahrtsweg und die geringen bis nicht vorhandenen Zeitunterschiede. Zwischen Deutschland und Indien beträgt der Zeitunterschied hingegen je nach Sommer- oder Winterzeit 3 ½ bis 4 ½ Stunden. Geographische Nähe ist somit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Viele Probleme lassen sich zudem nur von Angesicht zu Angesicht im persönlichen Kontakt lösen.

Fazit

Berechnungen über den Anteil Osteuropas am weltweiten Outsourcing-Markt gehen von 43 Prozent aus, somit Rang zwei unmittelbar hinter Indien. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Anteil angesichts oben genannter Argumentation in den kommenden Jahren vergrößern wird. Bereits die Kostenvorteile, die geographische Nähe, das steigende Bildungsniveau sowie die vergleichsweise geringen kulturellen Unterschiede, sprechen für ein zunehmendes Interesse deutscher Unternehmen an ein Offshoring zu Gunsten osteuropäischer Staaten.

Bilder (CC BY 2.0): Jorge Láscar, Mai Le, Nana B Agyei

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